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Evangelische Kirchengemeinde Hermeskeil-Züsch

Die Evangelische Kirchengemeinde Hermeskeil-Züsch ist eine Diasporagemeinde im Hochwald in der Nähe von Trier. Ihre Fläche erstreckt sich über die Verbandsgemeinde Hermeskeil und Teile der Verbandsgemeinde Kell am See in Rheinland-Pfalz und die Gemeinde Nonnweiler im Saarland. Im Bereich der Kirchengemeinde leben etwa 2.500 evangelische Christinnen und Christen.

Gottesdienste

I. Quartal 2019

Gottesdienste können auch einmal vom vorgesehenen Plan abweichen, deswegen auch die wöchentlichen Ankündigungen in den örtlichen Amtsblättern beachten.

 

Was hinter dem Aschermittwoch steckt

Am geheimnisumwobenen Pessachabend spielen in allen jüdischen Familien die Kinder die Hauptrolle. Sorgfältig einstudiert, in klassischem Hebräisch, stellen sie die Frage, die seit Jahrhunderten gleich geblieben ist: „Ma nischtana halaila hase me kol haleilot? Was unterscheidet diese Nacht von allen anderen Nächten?“

Der Hausvater beantwortet ihre Frage ebenfalls seit Jahrhunderten auf dieselbe Weise, indem er die Geschichte der Befreiung seines Volkes erzählt: „Einst waren wir Sklaven des Pharao in Ägypten. Aber der Ewige, unser Gott, führte uns von dort heraus mit starker Hand und ausgestrecktem Arm.“

Jedes Jahr dieselben Fragen, dieselbe Geschichte, derselbe Ritus: brennende Lichter, ein festlich gedeckter Tisch mit einer Fülle von Speisen, die alle ihre hintersinnige Bedeutung haben. Ein Schüsselchen mit Salzwasser erinnert an die in der Knechtschaft vergossenen Tränen. Frisch geraspelter Meerrettich steht für die bittere Zeit der Unterdrückung. Wenn die alte Geschichte vom Auszug aus Ägypten vorgelesen wird und die Familie sozusagen reisefertig am Tisch mit dem hastig gebackenen ungesäuerten Brot sitzt, dann geht es um mehr als Nostalgie. Die Botschaft von Pessach ist immer aktuell: Gott erlöst aus der Knechtschaft. Vor ihm gibt es nur freie Menschen, und so sollen sie auch leben – frei, ihm zu dienen und einander glücklich zu machen.

Die Christen waren am Anfang eine jüdische Sekte, und ihr Osterfest wäre kaum zu denken ohne die jüdische Pessachnacht. Hier wie dort der Sieg des Lichtes über die Finsternis, der Übergang aus der Knechtschaft in die Freiheit. Beide Male eine Befreiungsbotschaft: der Auszug aus dem Sklavenland Ägypten und die Auferstehung aus dem Grab. Hier wie dort ein Festmahl mit Brot und Wein, hier wie dort Speisen und Zeremonien von hintergründiger Bedeutung. Hier wie dort Gedächtnis und Vergegenwärtigung – und eine Nachtwache voll Dankbarkeit und aufgeregter Erwartung.

Auch in der christlichen Osternachtfeier wird die spannende biblische Geschichte vom Durchzug der Israeliten durch das Meer und vom Untergang der Ägypter in den Fluten vorgelesen. Im Mittelpunkt beider Feiern – Pessach und Ostern – steht aber das ge­opferte Lamm. Im Tod ihres Messias am Kreuz sahen die Christen von Anfang an nicht mehr ein Schlachtopfer wie in archaischen Zeiten, um mürrische Götter oder gefährliche Dämonen milde zu stimmen, sondern die bewusste Hingabe des eigenen Lebens aus Liebe.

 

Monatsspruch März 19

Gott ist die Nummer eins

Welche Konsequenzen hat es, wenn wir Gott unsere Herzen zuwenden und ihm allein dienen? Damals zur Zeit des Samuel bedeutete das für die Israeliten, dass sie ihre Götterfiguren von Baal und Astarte wegwarfen und nur noch den unsichtbaren Gott verehrten, der sie aus Ägypten befreit und in das Land ­Israel geführt hatte. Um 1070 vor Christi Geburt wurden die Israeliten häufig von dem Nachbarvolk der Philister angegriffen und erlitten herbe Niederlagen. Deshalb empfahl Samuel, der Gottesmann und Führer des Volkes, den Israeliten, dass sie ihre ganze Kraft wieder allein aus ihrem Glauben an den wahren Gott schöpfen. Und tatsächlich fanden die Israeliten nach ihrer Bekehrung wieder zu ihrer Kraft und lebten mit ihren Nachbarvölkern in Frieden. 

Und 2019? Der christliche Glaube mit seinen jüdischen Wurzeln verliert in unserer Gesellschaft zunehmend an Kraft. Er scheint zu verdunsten. Wir erleben: Wo der Glaube an Gott schwindet, machen sich andere Götter breit. Das Ego und das Geld bekommen Macht. Eigensucht und Ellenbogenmentalität sind die Tugenden dieser Götzen. Barmherzigkeit wird als Naivität ausgelegt, der Schwache wird ausgegrenzt und der Ehrliche wird zum Dummen. Wollen wir so leben? Im ständigen Wettkampf und Kleinkrieg, wo keiner dem anderen mehr vertrauen kann?

Ich meine, es ist höchste Zeit, dass wir Gott wieder die Nummer eins sein lassen. Denn bei Gott ist „die Quelle des Lebens“ (Psalm 36,10).

Im März

Passionszeit / 7 Wochen Ohnen

Die Fastenaktion der evangelischen Kirche

Fast zwei Drittel der Deutschen glauben, auf Fragen wie „Hat es geschmeckt?“ oder „Wie sehe ich aus?“ dürfe man mit einer Lüge antworten. Das ergab eine Umfrage. Gefälligkeitslügen nennt man das, und meist geht es darum, die gute Stimmung zu halten und eine Konfrontation zu vermeiden. Was denken Sie darüber? Gilt das achte Gebot unbedingt? Auch dann, wenn ich anderen mit der Wahrheit vielleicht weh tue oder gar schade?

Mit der Fastenaktion „Mal ehrlich! Sieben Wochen ohne Lügen“ widmen wir uns dem Umgang mit der Wahrheit. Nicht unbedingt so wie der Journalist, der einmal – als Experiment – 40 Tage lang schonungslos ehrlich war und dabei seine Kollegen beleidigte, seine Frau verprellte und seinen besten Freund verriet. Aber auch wir werden öfter mal die Komfortzone verlassen. Wir wollen gemeinsam danach suchen, was die Wahrheit eigentlich ist und wie wir sie erkennen. Wir werden versuchen, uns selbst nicht zu belügen und mit anderen ehrlich zu sein.

Wir sollten auch über Wahrhaftigkeit nachdenken. Und darüber, wann man für die Wahrheit streiten muss. In den sieben Wochen bis Ostern können wir vielleicht auch Gottes Wahrheit näherkommen – und dabei auch uns selbst. Machen Sie sich mit uns auf den Weg!

Eva, Adam und der Apfel

Eine Frau namens Eva und, von ihr angestiftet, ein Mann namens Adam übertreten das einzige Verbot Jahwes: von den Früchten eines besonderen Baumes im Paradies zu essen, des Baumes „der Erkenntnis des Guten und Bösen“. Gott hatte sein Verbot mit einer Strafandrohung unterstrichen: „An dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben“ (Genesis 2,17). Kaum hatten sie von dem Apfel genossen, bemerkten sie, dass sie nackt waren. Sie spürten ihre Blöße, ihre Verletzlichkeit. Das rasch angebrachte Feigenblatt machte sie nur verdächtig. Gott stellte sie zur Rede und wies sie aus dem Paradies.

Sie merken, dass sie ihren eigenen Willen über den Gottes stellen können. Der Sündenfall ist für sie ein Akt der Emanzipation, teuer erkauft durch den Verlust des Paradieses. Sie handeln sich alle Übel der Welt ein. „Äpfel“ werden in der Geschichte vom Sündenfall gar nicht ausdrücklich genannt. Das hat mit einer Wortgleichheit in der lateinischen Bibelübersetzung zu tun: Böses und Apfel heißen beide malum. Die Geschichte vom Sündenfall ist kein Lehrtext über Sexualität, über das Verhältnis von Mann und Frau. Die Pointe dieser Geschichte ist: Alle Menschen überschreiten Gottes Gebote. Der Mythos vom Sündenfall versucht zu erklären, warum die Welt so viele unerträgliche Seiten aufweist: Unterdrückung, Dürren, Hunger, Krankheit, Tod. Sie resultieren demnach letztlich aus dem Eigensinn der Menschen.

Stephen Greenblatt erzählt in seinem Buch „Die Geschichte von Adam und Eva“ von einer eigenen religiösen Rebellion. Beim Sabbatgottesdienst seiner Synagoge galt die Regel, dass alle beim Schlussgebet des Rabbi ihre Blicke senkten. In diesem Augenblick, so hieß es, schwebe Gott über den Köpfen. Wer ihn sehe, müsse sterben. Eines Tages nahm Stephen allen Mut zusammen und schaute hoch. Er sah: nichts. Der Blick auf Gott gelang nicht. Es war wie in der Paradiesgeschichte – danach war er klüger, aber nicht glücklicher.

Jahreslosung 2019

Nicht entmutigen lassen!

Lebensglück und Frieden gehören aufs Engste zusammen. Wo dagegen Streit und Unfriede herrschen, blicken wir in wutverzerrte und hasserfüllte Gesichter. In besonders tragischen Fällen sind sogar Gut und Leben bedroht. Deshalb wirbt Psalm 34: „Wer ist‘s, der Leben begehrt und gerne gute Tage hätte?“ Und empfiehlt: „Suche Frieden und jage ihm nach!“ Dieser Zusammenhang wird übrigens vom neutestamentlichen 1. Petrusbrief (1. Petrus 3,10–11) wortgetreu aufgegriffen. Von zentraler Bedeutung sind die Worte von Jesus: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen“ (Matthäus 5,9).

Trotzdem werden Menschen, die sich für ein friedliches Miteinander einsetzen, von manchen für naiv gehalten und als „Gutmenschen“ beschimpft. Mögen sich diese Lebensklugen nicht entmutigen lassen! Der Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela (1918–2013) sagte: „Niemand wird geboren, um einen anderen Menschen zu hassen. Menschen müssen zu hassen lernen und wenn sie zu hassen lernen können, dann kann ihnen auch gelehrt werden zu lieben, denn Liebe empfindet das menschliche Herz viel natürlicher als ihr Gegenteil.“

Mir leuchten diese Worte ein und ich betrachte mein Leben und meine Beziehungen wie in einem Spiegel: Wo hege ich einen Groll gegen einen Mitmenschen? Was kann ich zur Besserung beitragen? Lebe ich in Unfrieden mit mir selbst? Habe ich Misstrauen gegen Gott? Ich will dem Leben nachjagen!

Die letzte Ruhe.

Über Beerdigungen spricht keiner gern.

Dabei gibt es viel zu klären.

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