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Gemeindechronik

Gottesdienst im Stadtpark in Hermeskeil
Chordarbietung an Weihnachten

Die evangelische Diaspora-Kirchengemeinde Hermeskeil-Züsch erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung etwa 25 km von Beuren bis Primstal, in Ost-West Richtung etwa 22 km von Muhl bis Lampaden und umfasst so 35 Ortschaften in der saarländischen Gemeinde Nonnweiler und den rheinland-pfälzischen Verbandsgemeinden Hermeskeil und Kell.

Schriftliche Zeugnisse ab dem 7. Jahrhundert und zahlreiche andere Spuren und Hinweise wie keltische Wege, Verteidigungsanlagen, Gräber, aber auch römische Straßen weisen auf vorchristliche Streusiedlungen als Ursprung für viele dieser Orte hin, besonders im Raum Hermeskeil. Kapellen und Kirchenbauten werden ab Anfang des 11. Jahrhunderts erwähnt, ein Zeitpunkt, zu dem schon viele Höfe und Siedlungen im Besitz der kath. Kirche oder ihr zumindest zehntpflichtig waren (Stift St. Paulin, Stift St. Pfalzel, Abtei St. Marien, Erzbischof von Trier). Die Ortschaften festigten sich und wuchsen weiter an, allen voran Hermeskeil, bevorzugt durch seine günstige Lage am Schnittpunkt der wichtigen Durchgangsstraßen.

Anfang des 16. Jahrhunderts, im Jahre 1517, leitete Martin Luther mit seiner Kritik an der katholischen Kirche die Reformation ein. Da sie die Einheit der römisch-katholischen Kirche und des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zu spalten drohte, rief Kaiser Karl V. zum Reichstag nach Augsburg. Dort einigte sich sein Vertreter, König Ferdinand I., am 25. September 1555 mit den stimmberechtigten Mitgliedern des Reichstages, den Reichsständen, auf eine Regelung, die als Reichsgesetz das Zusammenleben von katholischen und protestantischen Christen ermöglichte: den „Augsburger Religionsfrieden“. Durch ihn wurde erstmals der protestantische Glaube als eigenständige Konfession staatlich anerkannt und ein friedliches Miteinander ermöglicht, da der Text die Festschreibung eines einzigen „wahren Glaubens“ vermied. Unmittelbar danach findet die Kirchengemeinde Hermeskeil-Züsch ihren Ursprung mit der Gründung der evangelischen Kirchengemeinde Züsch, einer der ältesten Gemeinden im Kirchenkreis Trier. Diese Gemeinde, die für etwa 200 Jahre – als einzige im heutigen Raum Hermeskeil – den evangelischen Glauben vertrat, feiert ihre Gottesdienste schon sehr lange an der gleichen Stelle mitten im Ort : zunächst in einer Holzkirche, später in einem Fachwerk-Lehm-Bau und schließlich seit Oktober 1837 in der uns noch heute erhaltenen, aus Bruchstein erbauten, „roman(t)ischen“ Kirche an der Einmündung Hermeskeiler Str./Saarstr.

Nach Recherchen des 1967 von der evangelischen Kirchengemeinde Hermeskeil berufenen Pfarrers Günther Barthel lässt sich der erste evangelische Bürger in Hermeskeil im Jahr 1807 feststellen. Die langsame aber stetige Entwicklung zu einer evangelischen Kirchengemeinde mit 86 Mitgliedern im Jahr 1849 ist wahrscheinlich auch auf die preußische Verwaltungspolitik zurückzuführen, die auf öffentliche Stellen in einem von einer Konfession bestimmten Bereich Männer der anderen Konfession setzte, um eine persönliche Unabhängigkeit zu erreichen. Da sich viele der in Hermeskeil hinzugekommen Evangelischen wegen ihrer Herkunft, aber auch durch den Sitz des Landrates in Trier, der Kirchengemeinde Trier verbunden fühlten, sollte diese auch die evangelischen Christen in Hermeskeil betreuen. Auf Grund der großen Entfernung konnte aber der Trierer Pfarrer nur sehr selten nach Hermeskeil kommen, und umgekehrt war es den Hermeskeilern nicht oft möglich, den Gottesdienst in Trier zu besuchen. So wurden schon sehr früh Kontakte zur nur fünf Kilometer entfernten evangelischen Kirchengemeinde Züsch geknüpft, die schließlich auch die zur Kirchengemeinde Trier gehörenden evangelischen Christen in Hermeskeil betreute.

Der seit 1843 mit der kommissarischen Leitung des Amtes Hermeskeil beauftragte Alexander Rudolf Gottlob von Konarsky duldete den evangelischen Christen die Nutzung des „Gerichtslokales“ und ermöglichte so Pfarrer Geibel aus Züsch nicht nur das Abhalten einer wöchentlichen Bibelstunde in den Räumen des Amtsgerichtes Hermeskeil, sondern auch für dessen Bau und die Anstellung des ersten evangelischen Pfarrers in Hermeskeil.

Diese Nutzung außerhalb der Dienstzeit wurde aber nach energischen Protesten von „Nicht-Evangelischen“ bereits ein Jahr später durch höhere Dienststellen untersagt. Von Konarsky bemühte sich darauf weiterhin um die Abhaltung von Gottesdiensten und veranlasste nicht nur den Grundstückskauf für ein GotteshausDie Gemeinde Hermeskeil wurde nach Verhandlungen der evangelischen Christen mit der preußischen Regierung von dieser 1845 verpflichtet, finanzielle Mittel und Holz in festgelegten Beträgen für den Bau einer evangelischen Kirche zur Verfügung zu stellen. Zusammen mit vielen Spenden von Gemeindegliedern, Unternehmern und auch des Gustav-Adolf-Vereines konnte daraufhin der Kirchbau in Angriff genommen werden.

Osternacht in Hermeskeil
Weltgebetstag der Frauen in Mariahütte

Nachdem die Hermeskeiler Kirchengemeinde 1853 diese, ihre eigene, in nur zwei Jahren erbaute Kirche in Hermeskeil eingeweiht hatte – obwohl bereits im Jahr 1837 in Züsch ein evangelisches Gotteshaus erstellt worden war – stellte sie gegen den Willen der Züscher Gemeinde 1854 einen eigenen Pfarrverweser (Pfarrer zur Anstellung) ein. 1858 erfolgte die staatliche Anerkennung der selbständigen evangelischen Kirchengemeinde Hermeskeil mit dem Zuständigkeitsbereich der Bürgermeistereien Hermeskeil (natürlich ohne Züsch) Kell, Beuren und Otzenhausen. Obwohl  seitens der Kirchengemeinde Züsch und der Bürgermeisterei Otzenhausen weiterhin versucht wurde, die dauerhafte Besetzung der Pfarrstelle Hermeskeil zu verhindern, konnten die evangelischen Hermeskeiler Christen ihre Gemeinde festigen und erreichten, dass sie neben der evangelischen Kirchengemeinde Züsch sich als eigene Kirchengemeinde weiterentwickelten und fester Bestandteil der Region wurden.

Bevor die beiden seither nebeneinander mit je einer eigenen Pfarrstelle bestehenden Kirchengemeinden 1975 zusammengeführt werden konnten, musste die Kirchengemeinde Hermeskeil die am 01. August 1946 erfolgte staatliche Abtrennung ihrer saarländischen Gemeindemitglieder überwinden. In Folge des Zweiten Weltkrieges wurde durch die französische Besatzungsmacht der überwiegend katholische Amtsbezirk Nonnweiler dem rheinischen Kreis Trier aberkannt und in den saarländischen Kreis St. Wendel eingefügt. Dies brachte es mit sich, dass die Hermeskeiler Kirchenmitglieder aus dem zu Frankreich gehörenden Saargebiet zur Feier des Gottesdienstes eine Staatsgrenze überqueren und damit auch die mehr als lästigen Kontrollen durch den französischen und 

den deutschen Zoll jeweils auf dem Hin- wie auch auf dem Rückweg erdulden mussten. Eine wesentliche Erleichterung wurde durch das Abhalten von Gottesdiensten in der Volksschule und später in der Berufsschule Nonnweiler erreicht, da jetzt nicht mehr ein ganzer Gemeindeteil, sondern nur noch der Pfarrer von Hermeskeil die Grenze überschreiten musste. Diese Notlösung konnte am 23. Juni 1957 nach Fertigstellung der evangelischen Kirche mit einem Schulsaal in Mariahütte beendet werden.

Ökumenischer Gottesdienst in Hermeskeil
Gottesdienst an Himmelfahrt in Züsch

So bestanden also seit 1957 bis Ende der 1990er Jahre die zwei Kirchengemeinden mit drei Predigtstellen nebeneinander. Allerdings gestaltete es sich für die evangelische Kirchengemeinde Züsch ab Mitte der 1970er Jahre immer schwieriger, einen hauptamtlichen Pfarrer zu finden. Und obwohl sie sich immer wieder bemühte, konnte die Pfarrstelle in Züsch von 1975 bis 1998 nicht mehr besetzt werden; die evangelische Kirchengemeinde Züsch wurde von Hermeskeil aus mit betreut. 1998 erreichte Pfarrer Christoph Pistorius die Vereinigung der beiden selbständigen Kirchengemeinden Hermeskeil und Züsch zu einer Kirchengemeinde Hermeskeil-Züsch, für die zwei volle Pfarrstellen genehmigt wurden.

Der Pfarrbezirk umfasst die Verbandsgemeinde Hermeskeil mit etwa 1.400 Gemeindegliedern 200 Gemeindeglieder in Züsch, Neuhütten und Muhl sowie alle Orte der saarländischen Gemeinde Nonnweiler außer Schwarzenbach mit etwa 800 Gemeindemitgliedern.